"Sollkosten-Vergleich-Luftnummer"

 

Vorab:

WiR hält es für gut und richtig, dass der zweiwöchentliche Abfuhrrhythmus für Restmüll auch nach dem Ende des Vertragsablaufes mit dem derzeitigen Unternehmer beibehalten werden soll. Der entsprechenden Ausschreibungsaufforderung hat WiR zugestimmt.

Die in der Ratssitzung erfolgte Präsentation, mit der die beiden Optionen - vierwöchentliche oder zweiwöchentliche Abfuhr - kostenmäßig gegenübergestellt werden, ist jedoch nach unserem Dafürhalten - zumindest teilweise - irrreführend.

Die Darstellung vermittelt nämlich den Eindruck, dass die Beibehaltung der zweiwöchentlichen Abfuhr gegenüber der vierwöchentlichen im Ergebnis lediglich Mehrkosten von 7€ im Jahr pro Haushalt verursacht.

Das ist jedoch so nicht zutreffend, wie in der Ratssitzung auf Vorhalt von WiR auch bestätigt wurde.

Warum?
Weil die Gegenüberstellung als Basis auf angenommenen, so genannten Sollkosten beruht, die „aufgrund branchenüblicher Kosten- und Logistikparameter errechnet wurden.“ Die Begründung dafür ist, dass man eine identische Basis brauche, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. So weit so gut.
 
Nur, was bedeutet das im Klartext?
Zum einen wird von Parametern ausgegangen, von denen niemand weiß, ob die potentiell anbietenden Firmen sie überhaupt oder auch so kalkulieren. Zum anderen besteht ganz offenbar kein Bezug zu den konkreten Daten die Abfallbeseitigung in unserer Gemeinde betreffend.

Mit anderen Worten: Hier wird auf der Basis angenommener Parameter, von denen unbekannt ist, ob - und wenn, wie - die Anbieter sie verwenden bzw. bewerten, ein Einsparpotential von 33% errechnet, das dann mit 26.000 € pro Jahr beziffert wird. Über ein angenommenes durchschnittliches Jahresgewicht von 344,50 kg (120 l Behälter) wird dann eine mögliche Gebühreneinsparung von 0,02 €/kg bzw. 7,00 EUR im Jahr pro Haushalt hergeleitet.

Das Problem dabei ist nur, dass das Ganze auf der oben dargestellten Sollkostenannahme beruht, die zudem keinerlei Bezug zu den tatsächlichen Kosten der Abfallbeseitigung in unserer Gemeinde hat.
Mehr noch, da die Methodik der Kostenkalkulation der Anbieter unbekannt ist, könnte nicht einmal ausgeschlossen werden, dass ein Anbieter die zweiwöchentliche Abfuhr günstiger anbieten könnte/würde als ein Konkurrent, der anders kakluliert, die vierwöchige.

Mit anderen Worten, die Mehrkosten von 7 € pro Jahr pro Haushalt sind nicht mehr als eine Luftnummer. Es können auch 17 € oder 27 € oder mehr oder weniger sein. Dass es teurer wird, davon ist auszugehen, schon allein wegen der allgemeinen Kostensteigerung. Vielleicht wäre das zumindest teilweise durch einen vierwöchentlichen Rhythmus der Restmüllabfuhr abzufangen gewesen, aber wirklich sicher ist auch das nicht.

Seien wir also nicht enttäuscht bzw. fühlen wir uns nicht getäuscht, wenn die  Mehrkosten nicht genau 7 € sind. Erst wenn die Angebote auf dem Tisch liegen, werden wir wissen, ob es teurer wird und um welchen Betrag.

Dr. Ingo Tschaschnig