Klimaschutz oder Wahlkampf, das ist hier die Frage!

 

Die CDU hat recht! Ohne die zwei im Klimaschutzkonzept (KSK) der Gemeinde eingeplanten Windkraftanlagen können die Ziele des KSK (Minderung des Co2-Ausstoßes um 25%  im Vergleich zu den Werten von 2012 und Steigerung des Anteils durch erneuerbare Energien erzeugten Stroms auf 50% - beides bis 2025) nicht erreicht werden.
 
Die Errichtung neuer Windkraftanlagen wird nicht erfolgen. Zum einen war bereits im Zuge des Verfahrens zur Ausweisung von Windvorrangzonen innerhalb der Gemeinde deutlich geworden, dass alle in Betracht kommenden Flächen aus unterschiedlichen Gründen nicht in Betracht kamen. Zum anderen führt die aktuelle Einführung des so genannten „planerischen Vorsorgeabstandes“ von 1.500 m zu Wohngebieten im Landesentwicklungsplan (LEP) NRW dazu, dass die Errichtung neuer Windkraftanlagen in unserer Gemeinde nicht mehr möglich ist. Auch da hat die CDU recht.
 
Warum haben wir dann dem CDU-Antrag nicht zugestimmt?
 
Weil er lautete: „Die Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Rödinghausen wird mit der Überarbeitung des Klimaschutzkonzeptes beauftragt. Weiterhin sollen dem Rat geeignete Vorschläge unterbreitet werden, welche geeignet sind, die gesteckten Klimaziele bis 2025 auch ohne Windkraft zu erreichen.“
 
Die pointiert überspitzte Antwort darauf ist: „Wir wäre alle lieber reich und gesund als arm und krank. Nur leider stellt sich diese Alternative nie.“
 
Fakt ist, wir leben in unserer Gemeinde ausnehmend gut im allgemeinen Vergleich - und dies nicht zuletzt aufgrund des erheblichen Gewerbesteueraufkommens unserer Firmen. Diese bringen es aber auch mit sich, dass sich der dafür erforderliche Energieaufwand erhöht und weiter erhöhen wird. Der Energiebedarf steigt also und gleichzeitig fallen (seinerzeitige) 40% der eingeplanten regenerativen Energieerzeugung weg, weil die zwei Windkraftanlagen nicht realisiert werden können aus Gründen, auf die unsere Gemeinde keinen Einfluss hat.
 
Mit anderen Worten: Wenn wir auf unseren „Wohlstand“ nicht verzichten wollen, dann ist klar, dass die im KSK angestrebten Einsparpotenziale ohne Windkraftanlagen nicht erreicht werden können. Der Antrag der CDU-Fraktion erweckt jedoch den Eindruck, das Gegenteil sei der Fall! Demnach müsste das KSK lediglich von Frau Dr. Sierig überarbeitet werden und dann würden dem Rat Lösungvorschläge aus dem Hut gezaubert werden, die das Rätsel der Quadratur des Kreises lösen.
 
Dem vermögen wir nicht zu folgen. Das ist nämlich unserer Überzeugung nach nicht nur nicht realistisch, es ist - insbesondere für den Rat und seine Mitglieder - unangemessen, sich angesichts des Umfangs der anzugehenden Probleme darauf zu beschränken, Aufträge zu erteilen und sich dann  auf die Zuschauerränge zurückzuziehen und zu erwarten, die Lösungen sozusagen mundgerecht serviert zu bekommen - nach dem berühmten Muster: Unmögliches wird sofort erledigt; Wunder dauern etwas länger.
 
Richtig und zielführend ist es unserer Ansicht nach vielmehr, unter der Ägide der Fachfrau unserer Verwaltung, Frau Dr. Sierig, intensiver und fraktionsübergreifend die Aktivitäten der seit geraumer Zeit eingerichteten und arbeitenden Prima-Klima-Gruppe voranzutreiben und zu steigern. Das bringt eine Menge mehr, als einmal in der Prima-Klima-Gruppe vorbeizuschauen und dann die Überarbeitung des Klimaschutzkonzeptes zu fordern.
 
Wir alle - und insbesondere die Ratsmitglieder - sind gefordert, unseren Beitrag zu leisten, um den Klimazielen durch eigene Aktivitäten und eigene Mitarbeit an möglichen Lösungen so nah wie möglich zu kommen. Wenn es uns wirklich um das Klima geht - und das setzen wir bei allen Ratsmitgliedern voraus - dann müssen wir den Realitäten ins Gesicht schauen, selbst aktiv werden und mit gutem Beispiel vorangehen, gemeinsam nach Lösungen suchen und zusammen daran arbeiten, den Klimaschutz weitestmöglich voranzutreiben!
 
Die so erarbeiteten Lösungsansätze, Ideen und Anregungen zu Aktionen und Vernetzungen im Klimaschutz etc. können, wenn sie gereift und auf ihre Realisierbarkeit überprüft sind, dann im Rahmen einer Aktualisierung in das Klimaschutzkonzept integriert werden. So wird für uns ein Schuh draus!

Dr. Ingo Tschaschnig