Die Brücke, die Allee und die Bahnhofstraße

 

Im  Gesamtzusammenhang der Steinbogenbrücke an der Bahnhofstraße, der Allee von der Einmündung Hansastraße bis zur 90°-Kurve vor Beginn der Bebauung und des beabsichtigten Ausbaus der Bahnhofstraße erlaubt sich WiR folgende Anmerkungen.

 Die Brücke

Wie im Antrag der WiR-Fraktion dargestellt und erläutert, sind wir der festen Überzeugung, dass diese Brücke Denkmalcharakter hat und deshalb unter Schutz zu stellen ist. Wir fanden es äußerst verwunderlich, dass dies nicht schon längst geschehen war und sind der Ansicht, dass dies schnellstmöglich nachgeholt werden muss. Ob man uns das glaubt oder nicht: es ging und geht uns um die Erhaltung eines Denkmals.

Natürlich war und ist uns klar, dass die Unterschutzstellung der Brücke Einfluss auf Art und Umfang des Ausbaus der Bahnhofstraße haben kann. Aber so ist das Leben! Ständig müssen Abwägungen erfolgen und Kompromisse geschlossen werden. Und so wird es dann auch hier sein, nicht mehr und nicht weniger. Im Verfahrensgang und im Benehmen mehrerer Behörden untereinander wird eine Entscheidung getroffen werden, deren Rechtmäßigkeit dann gegebenenfalls im  Rahmen eines gerichtlichen Verfahrens zu überprüfen sein  wird. So funktioniert der Rechtstaat. Und nicht etwa: Es gibt da zwar ein Denkmal; da es uns aber möglicherweise an der Ausführung eines geplanten Projektes hindert, stellemer uns mal janz dumm und tun so, als hätten wir das gar nicht gemerkt. So geht das nur in der Feuerzangenbowle. (Die Älteren unter uns wissen, was gemeint ist.)

 Die Allee

Die Allee ist in ihrer gesamten Länge unter der Nr. AL-HF-0005 im Alleenkataster eingetragen.

Als solche ist sie geschützt nach § 41 Landesnaturschutzgesetz NRW. Diese Bestimmung lautet in Abs. 1: „Alleen an öffentlichen oder privaten Verkehrsflächen und Wirtschaftswegen sind gesetzlich geschützt. Die Beseitigung von Alleen, sowie alle Handlungen, die zu deren Zerstörung, Beschädigung oder nachteilige Veränderung führen können, sind verboten.“

Abs. 2 bestimmt: „Die Verbote des Absatzes 1 gelten nicht im Rahmen von Maßnahmen, die aus zwingenden Gründen der Verkehrssicherheit erforderlich sind und für die keine anderen Maßnahmen zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit erfolgreich durchgeführt werden können.

Eine solche zwingende Ausnahme zu begründen bei einer Straße, die seit unvordenklicher Zeit so ist, wie sie jetzt ist und wo, zumindest unseres Wissens, keine Unfallschwerpunkte bekannt sind, dürfte schwerfallen.

 Die Bahnhofstraße

Wir haben nicht die Absicht, mit unserer Position zur  Bahnhofstraße hinterm Berge zu halten.

Für uns ist die Bahnhofstraße ein in unserer Gemeinde einmaliges Juwel dörflicher Gestaltung und dörflichen Lebens, das es unbedingt zu erhalten gilt.

Der Teil der Allee von der Einmündung Hansastraße bis zur alten Schule besteht aus baumdenkmalmäßig gesehen kaum erhaltenswerten Birnbäumen, die jedoch eine ganz besondere dorfhistorische Bedeutung haben. Hier konnte in schlechten Zeiten gegen einen geringen Obulus pro Baum das Recht der Aberntung erworben werden. So kamen auch Einwohner ohne eigenen Garten bzw. Obstwiese in den Genuss frischen Obstes.

Es folgt die Kirche, die bereits seit vielen Jahren als Denkmal geschützt ist und die mit den angrenzenden bzw. gegenüberliegenden Gebäuden/Bauernhöfen ein wunderschönes dörfliches Ensemble bildet. Dazu kommt die Allee bis hinunter in die besagte 90°-Kurve, die im Alleenkataster eingetragen und so nach § 41 Landesnaturschutzgesetz NRW geschützt ist. Und abgeschlossen wird dieses in unseren Augen unbedingt erhaltenswürdige Kleinod durch die Steinbogenbrücke aus dem Jahr 1899, die nach unserer Überzeugung unter Denkmalschutz zu stellen ist.

Hier den Ausbau in der Variante L zu realisieren, würde nach unserer festen Überzeugung zur „Zerstörung, Beschädigung oder nachteiligen Veränderung“ der Allee führen können und nicht nur die denkmalwürdige Brücke zerstören, sondern gleichzeitig die Bahnhofstraße für den Schwerverkehr öffnen, was ein fataler Fehler wäre.

Ganz abgesehen davon, dass es bei der Vorstellung der Konzeptstudie in den kommunalen Gremien fraktionsübergreifende, einhellige Meinung war, dass die Allee auf jeden Fall erhalten werden müsse, werden wir uns einer solchen zerstörerischen „Planier-Planung“ entschieden entgegenstellen.

Dr. Ingo Tschaschnig