Und es heißt doch Ränkhiusen!

In seiner Sitzung am 07.02.2018 hat der Rat der Gemeinde Rödinghausen entschieden, die in der Vorlage so genannte niederdeutsche Übersetzung „Ränghiusen“ als zusätzliche Ortsbezeichnung in die Ortseingangschilder aufzunehmen. Seit dem 22.12.2017 ist dies gemäß § 13 Abs. 3 GO erlaubt.

Es war knapp. Eine Stimme hat gefehlt - von unserem Standpunkt aus gesehen! Als gute Demokraten akzeptieren wir die Niederlage, aber zähneknirschend. Inhaltlich ist sie für uns falsch und wir möchten das noch ein letztes Mal begründen. Das sind wir uns einfach schuldig.

Zu Recht wird in der Vorlage darauf hingewiesen, dass es sich beim Rödinghauser Platt um eine gesprochene, also nicht um eine Schrift-Sprache handelt, für die es keine einheitliche oder verbindliche Übersetzung in die Schriftsprache bzw. Rechtschreibung gibt.

Die Vorlage führt weiter aus, dass es „in der Literatur“ zwei gleichrangige plattdeutsche Schreibweisen des Ortsnamens gibt: „Ränghiusen“ und „Ränkhiusen“. (In den 60er Jahren hatte Erwin Möller noch die Schreibweise „Renkhiusen“ gewählt in seinem „Renkhuischken Kribbenspierl“.)

Den beiden eingangs genannten Schreibweisen liegen zwei grundsätzlich unterschiedliche Überzeugungen zu Grunde.
Die Schreibweise mit „k“ und dem stummen „h“ entspringt der Überzeugung, dass der einzig richtige Weg, eine gesprochene Sprache in die Schriftsprache zu übersetzen und so zu erhalten der ist, die so genannte Lautschrift möglichst eng in die Schriftsprache umzusetzen.
Die Schreibweise mit „g“ geht von einem komplett anderen Gedanken aus. Sie basiert auf der Annahme, dass immer weniger Menschen das Rödinghauser Platt sprechen bzw. auch nur verstehen. Daher versucht man zu retten, was zu retten ist, indem man das gesprochene Plattdeutsch nicht wirklich lautsprachlich um- bzw. übersetzt, sondern in der Schriftsprache eine Schreibweise wählt, die es den des Plattdeutschen nicht (mehr) mächtigen Mitmenschen ermöglicht, einen Bezug zu der hochdeutschen Ortsbezeichnung herzustellen.
Was man so erhält, ist aber mitnichten das original gesprochene Rödinghauser Platt, sondern eine künstliche Mischform, die nicht nur keiner spricht, für muttersprachliche Plattdeutsche ist sie auch kaum artikulierbar, denn um das „g“ weich auszusprechen muss zwangsläufig das „h“ auch ausgesprochen werden; das „h“ ist aber unstreitig schon immer stumm gewesen. Allenfalls könnte man das „h“ als ein frühes Zugeständnis an den hochdeutschen Ortsamen vermuten, der Ortsunkundigen das „h“ von “-hausen“ zur Bezugsherstellung liefern sollte. Die in diesem Sinne aussprachegtreueste lautschriftliche Um- bzw. Übersetzung wäre daher wohl „Ränkiusen“.

Kommen wir am Ende noch einmal kurz auf die gesetzliche Grundlage des gefassten Beschlusses zurück: Gemäß § 13 Abs. 3 Satz 1 GO muss die Gemeinde - d.h. weder der Kreis noch der Kreisheimatverein sind dafür zuständig, irgendwelche Festlegungen zu treffen - nachweisen, dass „die gewählte Übersetzung (...) auf eine in der Region gesprochene Mundart (...) zurückzuführen“ ist.

Etwas Einzigartiges, Wertvolles, Erhaltenswertes zu bewahren heißt nicht, die Asche weiterzugeben, sondern das Feuer am Brennen zu halten. Und, auch wenn wir es nicht völlig ausschließen wollen, ein ‘muttersprachlicher Rödinghauser Plattdeutscher’, der “Ränghiusen“ sagt, ist uns jedenfalls noch nicht begegnet.

„Ränkhiusen“ wäre die richtige Entscheidung gewesen. Schade! Unsere plattdeutsche Seele trägt Trauer!

Übrigens: Wer sich für das originale Rödinghauser Platt interessiert, der kann im DU & ICH vom Februar 2018 auf Seite 13 nachlesen, an welchen vier Abenden im Februar und März 2018 der plattdeutsche Gesprächskreis im Haus des Gastes stattfindet. Und wie heißt das Motto? Natürlich: DÜTT UN DAT UP RÄNKHIUSEN-PLATT (!) Watt ick segge! Oder: Quod erat demonstrandum!

Dr. Ingo Tschaschnig