Es geht um unsere Zukunft !

NDie Begriffe „Gewerbeflächenkonzept“ und „Landesentwicklungsplan“ mögen sich eher langweilig oder zumindest harmlos anhören; inhaltlich sind sie - insbesondere für die so genannten „ländlichen Räume“ wie unsere Gemeinde - alles andere als das!

Was steckt dahinter?

Bereits seit geraumer Zeit ist zu beobachten, dass die Landesregierung in Düsseldorf das Ziel verfolgt, den ländlichen Raum auszudünnen bzw. auszutrocknen. Die Bevölkerung soll dazu gebracht werden, möglichst umfassend in die Ballungsräume zu ziehen. Damit würde man - mindestens - zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen wird infolge des demographischen Wandels die Aufrechterhaltung der Infrastruktur in den strukturschwachen Gebieten immer teurer bzw. unerschwinglicher. Mit anderen Worten: In den ländlichen Bereichen, in den die so genannte Streusiedlung stark ausgeprägt ist, wie hier bei uns, leben immer weniger und zunehmend ältere und immer weniger junge Menschen. So müssen die infolge der geringeren Nutzung steigenden Erhaltungskosten für Wassserleitungen, (Abwasser-)Kanäle usw. in Form höherer Gebühren auf immer weniger zahlende Bürger umgelegt werden. Auf Dauer ist das nicht zu machen!
Es ist daher grundsätzlich logisch, die weniger werdenden Menschen in Ballungszonen zu konzentrieren. Die Kosten für die Instandhaltung der Infrastruktur können so wieder gesenkt und effektiver verteilt werden und gleichzeitig - Fliege zwei - steht das früher besiedelte Land wieder als Grün- und damit als Ackerfläche zur Verfügung, ein Gut, das in den letzten Jahrzehnten immer weniger, damit immer wertvoller und letztlich zum Spekulationsobjekt geworden ist.
In diesem Sinne konsequent, sah der erste Entwurf des Landesentwicklungsplanes (LEP) der Landesregierung in Düsseldorf unter anderem vor, die Angebote und damit die Lebensqualität in den ländlichen Bereichen zugunsten der Ballungsräume erheblich zurückzufahren. Neue Wohngebiete sollten nur noch eingeschränkt ausgewiesen werden dürfen und neue Gewerbegebiete überhaupt nicht mehr bzw. nur noch auf so genannten Industriebrachen, was faktisch dasselbe ist, denn solche sucht man auf dem Land in aller Regel vergebens - und das weiß man natürlich auch in Düsseldorf!
Der Empörungssturm, der Düsseldorf daraufhin auf breitester Ebene entgegenschlug, hat die Regierung wohl dennoch überrascht. Jedenfalls wurde der erste Entwurf des LEP infolgedessen in ein paar Punkten abgeschwächt. Wenn er so bleibt, wie er aktuell aussieht, dann schnürt er dem ländlichen Bereich zwar nicht sofort die Luft ab, indem er in gewissen Grenzen nunmehr die Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten zulässt, er ändert die grundsätzliche Zielsetzung jedoch nicht und sorgt von daher für einen Zustand, der zuviel zum Sterben aber zuwenig zum Leben lässt!
Wie sollen die ländlichen Gemeinden - deren Selbstverwaltungsrecht Verfassungsrang genießt! - überleben, wenn sie nicht nur keine neuen Firmen mehr ansiedeln sondern auch bereits ansässigen Betrieben keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr bieten können?! Woher sollten die Gewerbesteuereinnahmen kommen, von denen die Gemeinden im wesentlichen leben?
Und nun kommen die Kreise her und stellen so genannte Gewerbeflächenkonzepte für die kreisangehörigen Gemeinden auf. Diese sollen nun ihre „Bedarfe“ beim Kreis anmelden. Das haben sie bereits getan. Dann soll das Büro CIMA daraus ein Gesamtkonzept für den Kreis erstellen. Das machen die anderen Kreise natürlich auch; jeder erstellt so (s)ein Forderungsmosaiksteinchen zwecks Berücksichtigung in Düsseldorf im Rahmen des LEP. Was wird dabei wohl herauskommen?
Man muss wohl kein Prophet sein um vorauszusehen, dass Düsseldorf sagen wird: Wir würden euch ja so gern all eure Wünsche erfüllen, aber bei all den Vorgaben, die wir unter den unterschiedlichsten Aspekten zu beachten und zu erfüllen haben, müsste NRW mindestens doppelt so groß sein, wie es ist. Nur dann könnten wir die Belange der Wirtschaft, der Landwirtschaft, schutzwürdiger Landschaftsräume usw. angemessen berücksichtigen. Und dann geht’s los: die Kreise gegeneinander, innerhalb der Kreise die einzelnen Gemeinden gegeneinander, und wer gewinnt nach dem Motto „teile und hersche“? Ob das wohl Düsseldorf mit seiner Ballungsraumzielsetzung sein dürfte?
Vor diesem Hintergrund ist es von lebenswichtiger Bedeutung, insbesondere für die Menschen, die Betriebe, die Landwirte, die selbständigen Handwerker usw. in Rödinghausen als kleinster der kreisanghörigen Gemeinden des Kreises Herford, dass sie nicht erst informiert werden, wenn alles bereits beschlossen und der Zug abgefahren ist. Sie sollen möglichst frühzeitig informiert sein, ihre Fragen stellen und ihre Meinung einbringen können, denn es geht um ihr direktes Lebensumfeld. Die Zeiten, in denen sie betreffende Angelegenheiten über ihre Köpfe hinweg entschieden wurden, sollen vorbei sein! Es geht um ihre, um unsere Zukunft! Darum ist es gut, dass der Rat ein Zeichen gesetzt hat, indem er dem WiR-Antrag einstimmig zugestimmt hat.
.